Frankreich mit dem Wohnmobil: Provence, Atlantikküste und die schönsten Roadtrip-Routen

Kaum ein Land ist so konsequent auf Wohnmobilreisende eingestellt wie Frankreich. Mit über 8.000 offiziellen Campingplätzen und mehr als 4.000 sogenannten Aires de Camping-Car – speziellen, oft kostenlosen Wohnmobilstellplätzen – besitzt die „Grande Nation“ die größte und großzügigste Camperkultur Europas. Dazu kommt eine landschaftliche Vielfalt, die ihresgleichen sucht: schroffe Atlantikklippen, duftende Lavendelfelder, mittelalterliche Dörfer und Alpenpässe – alles erreichbar innerhalb eines Tages Fahrt von Deutschland aus. Dieser Ratgeber zeigt die schönsten Routen und gibt praktische Tipps für den Frankreich-Roadtrip im Wohnmobil.

Warum Frankreich das ideale Wohnmobil-Reiseland ist

Anders als in vielen südeuropäischen Ländern ist Camping in Frankreich tief in der Reisekultur verwurzelt – das Land geht deutlich großzügiger mit dem Thema Übernachtung im Wohnmobil um als etwa Italien. Über 1.120 der Aires de Camping-Car sind sogar komplett kostenfrei nutzbar und ermöglichen spontane Stopps direkt an Schlössern der Loire, in malerischen Dörfern oder unmittelbar am Atlantik.

Die Straßeninfrastruktur ist ebenfalls hervorragend: Die Autobahnen (Autoroutes) sind in exzellentem Zustand, allerdings mautpflichtig – Wohnmobile werden dabei meist der höheren Tarifklasse (Kategorie 2) zugeordnet. Die kostenlosen Nationalstraßen (N-Straßen) sind gut gepflegt und ideal für entspanntes Reisen, während die schmaleren Départementstraßen (D-Straßen) zu den schönsten, aber langsameren Strecken durch kleine Dörfer führen.

Route 1: Die Provence – Lavendel, Wein und mediterranes Licht

Die Provence-Alpes-Côte d’Azur gehört zu den klassischen Wohnmobil-Reisezielen Frankreichs, mit über 800 Campingplätzen in der Region. Von Ende Juni bis Anfang August verwandelt sich das Plateau de Valensole in ein violettes Lavendelmeer – ein Naturschauspiel, das jährlich Fotografen und Reisende aus aller Welt anzieht.

Eine klassische Route führt von Avignon (der „Stadt der Päpste“ mit dem imposanten Papstpalast) über Arles – UNESCO-Weltkulturerbe und Wirkungsstätte von Vincent van Gogh, der hier rund 300 Gemälde schuf – weiter ins Naturschutzgebiet der Camargue mit ihren wilden weißen Pferden und rosa Flamingos bis nach Saintes-Maries-de-la-Mer direkt am Mittelmeer.

Ein weiteres Highlight der Region ist der Gorges du Verdon – ein 25 Kilometer langer Canyon mit bis zu 700 Metern Tiefblick und einem türkisfarbenen Fluss, oft als „Grand Canyon Europas“ bezeichnet. Am Lac de Sainte-Croix gibt es sogar kostenfreie Ver- und Entsorgungsstationen für Wohnmobile.

Camper-Tipp: Zur Hochsaison der Lavendelblüte sind die Straßen entlang der Felder oft stark befahren – niemals direkt am Straßenrand parken, um den Verkehr nicht zu behindern. Beste Reisezeit für die Provence: Juni bis September, wenn es kaum regnet und die Temperaturen bis 30 Grad erreichen können.

Route 2: Die Atlantikküste – Wind, Wellen und Weite

Die französische Atlantikküste hat sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Wohnmobil-Regionen entwickelt. Die klassische Route führt von Guérande bis Biarritz – rund 650 Kilometer, für die man sich mit Stopps entlang der Strecke am besten zwei bis drei Wochen Zeit nimmt.

Die Reise beginnt oft in La Baule mit einer der schönsten Buchten der Welt, gesäumt von eleganten Villen zwischen Pinienwäldern. Weiter geht es über die maritime Hafenstadt Saint-Nazaire zur Île de Noirmoutier mit der berühmten Gezeitenstraße Passage du Gois, die nur bei Ebbe befahrbar ist. Im Süden lockt die Dune du Pilat bei Bordeaux – Europas höchste Wanderdüne, die 106 Meter über den Atlantik ragt, mit einem ausgewiesenen Großparkplatz für Camper und spektakulären, kostenlosen Sonnenuntergängen.

Das Baskenland rund um Biarritz bildet den krönenden Abschluss – mit einer eigenständigen Kultur, exzellenter Küche und einer der besten Surf-Szenen Europas.

Camper-Tipp: Für Familien mit Kindern eignen sich besonders die ruhigeren Küstenabschnitte nördlich von La Rochelle, während erfahrene Surfer und Nachtschwärmer eher Richtung Biarritz und Hossegor ziehen.

Route 3: Die Bretagne – Wilde Klippen und keltisches Erbe

Die Bretagne ist nach der Côte d’Azur das zweitbeliebteste Reiseziel Frankreichs – und für Wohnmobilreisende ein Fest der rauen, ursprünglichen Küstenlandschaft. Highlights sind die Festungsstadt Saint-Malo mit ihren massiven, vom Wasser umspülten Stadtmauern, das Kloster Mont-Saint-Michel – Frankreichs meistbesuchte Sehenswürdigkeit – und das Cap Fréhel mit seinen leuchtend roten und orangefarbenen Felsformationen.

Auch die prähistorischen Steinreihen von Carnac gehören zum Pflichtprogramm für alle, die sich für die keltische Geschichte der Region interessieren.

Route 4: Die Route Napoléon durch die Alpen

Für alle, die statt Küste lieber Berge suchen: Die Route Napoléon führt auf rund 350 Kilometern von Grenoble über Sisteron, Digne-les-Bains und Castellane bis nach Cannes – benannt nach dem historischen Marsch Napoleons nach seiner Rückkehr aus dem Exil auf Elba. Highlights sind die Zitadelle von Sisteron, das „Tor zur Provence“, und Digne-les-Bains, die selbsternannte „Hauptstadt des Lavendels“ mit eigenen Thermalbädern.

Geheimtipps abseits der Touristenmassen

Wer weniger überlaufene Orte sucht, findet in Frankreich zahlreiche Alternativen: das Klippendorf Étretat in der Normandie mit seinen imposanten weißen Kreidefelsen, der ruhige Süd-Luberon in der Provence abseits der bekannten Lavendelfelder, das mittelalterliche Belcastel im Aveyron, oder das Fachwerkstädtchen Saverne im Elsass mit seiner Lage direkt am Rhein-Marne-Kanal.

Praktische Tipps für den Frankreich-Roadtrip

Maut und Bezahlung: Autobahnmauten lassen sich mit Kreditkarte, Bargeld oder per Telepéage-Gerät bezahlen – letzteres ermöglicht die automatische Schrankenöffnung ohne Wartezeit an den Mautstationen.

Warnaufkleber für schwere Fahrzeuge: Wohnmobile über 3,5 Tonnen benötigen in Frankreich vorgeschriebene „Toter-Winkel“-Warnaufkleber, die gut sichtbar an beiden Seiten und am Heck angebracht werden müssen – besonders relevant beim Fahren in Städten.

Gasanschlüsse: Französische Gasflaschen und Anschlusssysteme unterscheiden sich von den deutschen. Ein europäischer Adapter für die eigene Gasflasche ist dringend empfehlenswert.

Fahrzeuggröße planen: Für die Atlantikküste und die Loire-Schlösser eignen sich auch große Wohnmobile, für die engen Straßen der Provence, historische Stadtzentren und die Côte d’Azur empfiehlt sich dagegen ein Kastenwagen oder Teilintegrierter unter 6,5 Metern Länge.

Übernachtungskosten: Kommunale Campingplätze (campings municipaux) sind oft einfach, aber unschlagbar günstig – teils schon ab 6 Euro pro Nacht plus Strom. Private 4- bis 5-Sterne-Resorts an der Côte d’Azur können in der Hochsaison dagegen 50 bis 60 Euro pro Nacht kosten. Mit der CampingCard ACSI sinken die Preise in der Vor- und Nachsaison auf rund 20 Euro.

Mietwohnmobil in Frankreich buchen

Wer kein eigenes Wohnmobil besitzt, findet Abholstationen in nahezu allen größeren französischen Städten – Paris, Marseille, Bordeaux, Nizza – sowie an vielen deutschen Standorten, von wo aus die Reise direkt nach Frankreich starten kann. Aktuelle Mietangebote und Preisvergleiche für Wohnmobile in Frankreich findest du auf Mietcamper-Vergleich.de. Wer die Anreise mit dem eigenen Auto plant und einen zusätzlichen Mietwagen vor Ort benötigt, findet auf Mietwagen-Vergleich.cc passende Angebote.

Fazit: Frankreich bleibt der Klassiker unter den Wohnmobil-Reisezielen

Ob Lavendelfelder in der Provence, wilde Küsten der Bretagne, endlose Strände am Atlantik oder Alpenpässe auf den Spuren Napoleons – Frankreich vereint landschaftliche Vielfalt mit einer Camperinfrastruktur, die europaweit ihresgleichen sucht. Wer die richtige Route für seinen Reisestil wählt und die praktischen Grundregeln beachtet, erlebt einen der entspanntesten und zugleich abwechslungsreichsten Wohnmobil-Urlaube Europas.

Redaktionell erstellter Artikel. Preisangaben und Streckendaten sind Richtwerte (Stand Juni/Juli 2026). Alle externen Links wurden sorgfältig ausgewählt.

Bewertung unserer Besucher
[Insgesamt: 1 Durchschnitt: 4]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst diese HTML-Tags und -Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner